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Ausstellungsansicht, Halle 1
Kunsthalle Mainz, 2012
© Fotografie: Dirk Uebele -
Rebecca Ann Tess
Ausstellungsansicht, Halle 1Kunsthalle Mainz, 2012
© Fotografie: Dirk Uebele -
Fides Becker
Ausstellungsansicht, Halle 2Kunsthalle Mainz, 2012
© Fotografie: Dirk Uebele -
Michael Heym, Denise Ritter, Susanne Bürner, Verónica Aguilera,
Karina Nimmerfall; Ausstellungsansicht, Halle 3Kunsthalle Mainz, 2012
© Fotografie: Dirk Uebele -
Karina Nimmerfall
Ausstellungsansicht, Halle 3Kunsthalle Mainz, 2012
© Fotografie: Dirk Uebele -
Sandra Schäfer
Ausstellungsansicht, Turmebene IKunsthalle Mainz, 2012
© Fotografie: Dirk Uebele -
Zhu Hong
Ausstellungsansicht, Turmebene IIIKunsthalle Mainz, 2012
© Fotografie: Dirk Uebele
km 500 4
Stipendiatinnen und Stipendiaten 2010
des Landes Rheinland-Pfalz und
des Künstlerhauses Schloß Balmoral
26. November 2011 – 15. Januar 2012
Verónica Aguilera
Fides Becker
Sabine Boehl
Heike Bollig
Susanne Bürner
Nicky Coutts
Michael Heym
Zhu Hong
Sebastian Meschenmoser
Karina Nimmerfall
Sara Rajaei
Johanna Reich
Denise Ritter
Sandra Schäfer
Rebecca Ann Tess
„Stip-Visite“, die vierte:
vom 26. November 2011 bis zum 15. Januar 2012 präsentieren sich in der Reihe „km 500“ diesmal fünfzehn junge Künstlerinnen und Künstler, die im vergangenen Jahr durch Anwesenheits-, Projekt- und Reisestipendien des Landes Rheinland-Pfalz und der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur gefördert wurden. Realisiert wird die Ausstellung in Kooperation zwischen dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, dem Künstlerhaus Schloß Balmoral, der Kunsthochschule Mainz und der Kunsthalle Mainz.
Wie üblich, legen die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit ihren Arbeiten Zeugnis ihres aktuellen Schaffens ab und vermitteln Eindrücke ihrer individuellen künstlerischen Positionen und Auseinandersetzungen. Dabei werden, jenseits aller technischen und medialen Unterschiede, auch Gemeinsamkeiten künstlerischer Interessen deutlich, die insbesondere vom Aufenthaltsort ihres jeweiligen Stipendiums inspiriert sind. So verändert der fremde Blick die Sicht auf Bekanntes, oder das raumzeitlich fern Gelegene rückt plötzlich in unmittelbar vertraute Realität.
Schwerpunktmäßig spielen in diesem Jahr filmische und fotografische Arbeiten eine große Rolle, daneben kommen aber auch Malerei und Objektkunst nicht zu kurz. Installationen mit Klang und Licht erweitern das Spektrum der Ausstellung um entsprechende Erlebnisräume, die den Besucher in besonderer Weise involvieren.
Anwesenheitsstipendium Künstlerhaus Schloß Balmoral
Verónica Aguilera (geb. 1976)
beobachtet und verändert den öffentlichen Raum. 2010 ließ sie sich während ihres Aufenthalts in Schloß Balmoral von Abstellflächen für Autos inspirieren. Was geschieht mit einer wilden Parkfläche, wenn sie durch Linien strukturiert wird? Intervention macht klar, wie subtil Macht implementiert ist.
Nicky Coutts (geb. 1968)
macht sich in ihrem Video Fritz Langs Filmklassiker „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) zu Eigen. Dabei verändert sie fortlaufend den filmischen Fokus, indem die Schauspieler ausgeblendet, und die Aufmerksamkeit des Betrachters stattdessen auf Ausschnitte und Details im Vorder- oder Hintergrund gelenkt werden, während die Tonspur unverändert bleibt. Das Ungesehene steigert so die Spannungskurve und konzentriert sich ganz auf die Jagd nach dem Täter als zentrales Thema des Films. Ergänzend zum Video werden ca. 200 Filmstills gezeigt.
Sara Rajaei (geb. 1976)
Die Filme der im Iran geborene Künstlerin Sara Rajaei schildern häufig existentielle Ereignisse, die mit persönlichen und autobiografischen Elementen verknüpft sein können. Ihr siebenminütiger Film "A leap year that started on a Friday" verzichtet weitgehend auf Bildinformationen und ersetzt diese durch nüchterne Textzeilen, die in gleichem Tempo von einer Erzählerstimme aus dem Off vorgetragen werden. Der Text handelt vom Albtraum eines Flugzeugabschusses, von dem Hinterbliebene der Opfer berichten und bei dem die Einblendung eines verfallenen Innenhofes und einer Badewanne als düster-bedrohliches Symbolbild auftritt.
Susanne Bürner (geb. 1970)
Susanne Bürner hinterfragt die Realität von Fotografien, bzw. bewegten Sequenzen. Ihr Video “The Immortals” besteht aus animierten Fotografien von Türen und Korridoren, die in einer Militärgeheimdienstschule in Bad Ems aufgenommen wurden. Es existiert jedoch nichts, auf das die Türen verweisen oder wohin diese führen. Das Video spiegelt eine Illusion von Raum und vermittelt den Eindruck einer außerzeitlichen Reise, ohne die Erwartung zu erfüllen, anzukommen.
Johanna Reich (geb. 1977)
In Johanna Reichs Videoarbeiten ist die Kamera als Gegenüber ein essentieller Bestandteil und sie ermöglicht es ihr, den künstlerischen Arbeitsprozess zu erforschen und Wahrnehmungsprozesse zu hinterfragen.
Sie untersucht die Wirkung zwischen der Malerei und der Aufzeichnung des digitalen Bildes und verbindet so die Medien Video, Film und Performance. In allen ihren Arbeiten spielt der prozessuale Charakter eine entscheidende Rolle.
Heike Bollig (geb. 1973)
Bolligs Arbeiten entwickeln sich in ständiger Wechselbeziehung mit dem städtischen Raum. Insbesondere im Bereich der Street- und Graffiti-Art untersucht sie aktuelle Erscheinungsformen öffentlicher Bekundungen und fragt danach, welche Bedingungen existieren müssen, damit ein Kunstwerk als solches erkannt wird. Wie und wo kann es platziert werden und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
Von der Bildhauerei kommend, zeigt Bollig in der Ausstellung plastische Arbeiten, die aus Fundstücken wie Rohren oder Kochgeschirr zusammengesetzt sind, gleichzeitig jedoch durch farbige Emaillierungen nobilitiert werden und so ein subtile malerische Qualität erhalten.
Sabine Boehl (geb. 1974)
Sabine Boehls Leinwandbilder aus winzigen aufgestickten Glasperlen oder aus Nagellack lassen eine Tradition aufleben, die eher an orientalische Mosaike oder arabisch-islamische Ornamentkunst erinnert. Selbstredend sind sie in zeitaufwändiger Handarbeit als Unikate hergestellt. Die ehemalige Meisterschülerin bei Gerhard Merz an der Düsseldorfer Kunstakademie konzeptualisiert ein künstlerisches Vorgehen, dessen Begriffe wie Handwerklichkeit und Dekoration in der Theorie der Moderne häufig diskreditiert wurden.
Projektstipendium des Landes Rheinland-Pfalz
Karina Nimmerfall (geb. 1971)
Karina Nimmerfall untersucht in ihrer Arbeit das Verhältnis von Architektur in Spielfilmen. So interessiert sie insbesondere die Rolle avantgardistischer Architektur (wie etwa von Philip Johnson oder Richard Neutra) aus den 1920er bis 1960er Jahren. Deren Kulisse dient häufig kriminellen Figuren in Spielfilmen wie Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ als Ausweis des „Bösen“.
So verwendet Karina Nimmerfall in ihrer Objektinstallation „The Glass House“ einzelne Kamerablicke auf Architekturen, die sie zu einem komplexen neuen Architekturmodell kombiniert mit projizierten Bildern zusammensetzt.
Austauschstipendium des Landes Rheinland-Pfalz mit Burgund
Zhu Hong (geb. 1975)
Der Meistergedanke, unter dessen Geist in Asien bis heute Kunst gelehrt wird und sich im Kopieren Alter Meister ausdrückt, tritt in den Bildern von Zhu Hong deutlich zum Vorschein.
Allerdings reflektiert Zhu Hong dieses Vorgehen nicht nur durch Ausschnitthaftigkeit, Selektion der Motive und persönliche stilistische Veränderungen, sondern insbesondere auch durch die Illusion von Spiegelungen und Krakelees, die die Gemälde als historische ausweisen und ihnen eine zwiespältige Präsenz verleihen.
Denise Ritter (geb. 1971)
Als Meisterschülerin bei Christina Kubisch in Saarbrücken beschäftigt sich Denise Ritter hauptsächlich mit Klangsinstallationen, die sie in zahlreichen Architektur- und Raumprojekten realisiert hat.
Ihre Bodenarbeit „nachtblau“ besteht aus einer Konstellation von Lautsprechern, die in ihrer Form ein imaginäres Sternbild beschreibt. Aus den Boxen sind Atemgeräusche und Laute zu hören, die die Künstlerin während ihrer Einschlafphase aufgenommen hat. In Kombination und Analogie mit dem Sternbild, das in der klassischen Seefahrt Orientierung und Positionsangaben ermöglichte, entsteht so ein visuell-akustisches Bild der Transitorik zwischen Wach- und Schlafzustand.
Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz
für die Cité Interationale des Arts, Paris
Fides Becker (geb. 1962)
In einer neueren Serie von Arbeiten beschäftigt sich Fides Becker mit Wandmalereien, welche sich wiederum auf Architektur bzw. Wandgestaltungen in Innenräumen beziehen.
So fertigte sie unlängst in Wiesbaden und in Berlin gemalte Spiegelwände an, die sich skizzenhaft über die Wandflächen ziehen. Auch für die Ausstellung in der Kunsthalle werden Vor-Ort-Arbeiten entstehen, die die weißen Wandflächen öffnen und ein Spiel von Erweiterung und Illusion erzeugen.
Michael Heym (geb. 1978)
Die Fotos und Vitrinenbilder Michael Heyms sind Teil des Materials eines experimentellen Fotofilms „Der Student“, das der Künstler während seines Aufenthaltes an der Cité Internationale des Arts in Paris anfertigte. Er erzählt in teils dokumentarisch anmutenden, teils suggestiv verklärten Aufnahmen von der Suche einer Person nach Erkenntnis.
Heyms Fotostrecke erzeugt durch die Hängung eine assoziative, „filmische“ Verknüpfung, die quasi eine Montage in den Raum platziert.
Anwesenheitsstipendium des Landes Rheinland-Pfalz
für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, Brandenburg
Sebastian Meschenmoser (geb. 1980)
Meschenmoser interpretiert in seiner Arbeit die Serien-/ Chronofotografie, eine alte Filmtechnik.
Fünf lebensgroß modellierte Hirsche, die in verschiedenen Bewegungs-stadien eines Sprungs erfasst sind, werden sukzessive angeblitzt. So entsteht die Illusion eines durch den Raum springenden Tiers.
Balmoral Stipendium
für Residency Unlimited und Flux Factory, New York
Rebecca Ann Tess (geb. 1980)
Die siebenteilige Fotoserie From the Green Belt stellt die Frage nach der Norm bzw. nach dem, was außerhalb der Norm unsichtbar ist oder bleibt: missing image heißt jedes dieser fortlaufend nummerierten Bilder.
Die Fotoserie spielt sich an der Peripherie des Urbanen bei Nacht ab. Scheinwerfer hellen Orte auf, die zu Bühnen inszenierten Geschehens an Flussufern oder Parks werden. Die Inszenierung rekurriert auf Begegnungen von Jugendlichen an nächtlichen Cruisingorten und auf Posen, die sexuelle Bereitschaft signalisieren. Gleichzeitig können die Orte auch als Tatorte potentieller Verbrechen betrachtet werden.
Balmoral Stipendium
für TrAIN, University of the Arts, London
Sandra Schäfer (geb. 1970)
Sandra Schäfer beschäftigt sich in ihrer filmischen Arbeit insbesondere mit der Rolle und gesellschaftlichen Bedeutung von Frauen in repressiven Systemen und politischen Krisenregionen. So besuchte sie seit 2002 regelmäßig Kabul und Teheran, um dort in verschiedenen kollaborativen Projekten den Geschehnissen der islamischen Revolution seit Ende der siebziger Jahre nachzugehen.
Ihre in der Kunsthalle gezeigte Arbeit bezieht sich auf die Rolle der Medien und die Formen der Informationsverbreitung zu Zeiten des irakischen Exils von Ayatollah Khomeini.