Joachim Brohm.
Fotografie
27.11.09 – 21.2.10
Joachim Brohm gehört mit seinen Langzeitbeobachtungen von Industriebrachen und urbanen Randgebieten zu einem der stilprägendsten Fotokünstler in Deutschland. Sein fotografisches Bildkonzept entwickelte sich aus der Beschäftigung mit der amerikanischen Fotografie der späten 1960er Jahre, die u. a. von Stephen Shore und William Eggleston im Bereich der dokumentarischen Alltagsfotografie neue Impulse erhielt. Hierzu zählt beispielsweise der Einsatz des Farbfilms, der zuvor ausschließlich in der Werbung Verwendung gefunden hatte. Joachim Brohm zählt zu jenen „Pionieren“, die diese neuen Impulse aufnahmen und in einen europäischen Kontext übersetzten. Der 1955 in Dülken / Niederrhein geborene Joachim Brohm arbeitet seit Ende der 1970er Jahre in weitläufig angelegten Fotoserien, denen eine dokumentarische Bildsprache zugrunde liegt und in denen stets eine besondere Farbigkeit sowie eine grundsätzliche Ruhe des Blicks vorherrscht. Der Fotokünstler widmet sich vor allem Arealen, die an der städtischen Peripherie zu finden sind, und ihrem Wandel im Zuge einer urbanen Umnutzung. Solche Gebiete suchte und sucht der Fotograf immer wieder auf: Über Jahre hinweg hält er Veränderungen der meist indifferenten Orte mit wohltuender Nüchternheit fest, ohne das Individuelle zu untergraben oder das Bild als Ereignis aus den Augen zu verlieren. Unter Vermeidung einer intimen Perspektive entstehen wie beiläufig komponierte Motive, die sich zugleich als Träger sozialer Bedeutung entpuppen.
Die Kunsthalle Mainz widmet Joachim Brohm eine umfassende Werkschau, die die Serien Ruhr und Ohio aus den 1980er Jahren zeigt sowie die über einen Zeitraum von elf Jahren entstandene Serie Areal (1992 – 2002). Darüber hinaus zeigen wir erstmals in Gänze den 2008/2009 entstandenen Fotografie-Zyklus Culatra über eine dünn besiedelte, autofreie Insel vor der portugiesischen Algarve-Küste. In dieser Topografie des Anonymen liegt der Fokus verschärft auf den Ablagerungen der Zivilisation und einer Lebenslandschaft einschließlich ihrer Architektur, wie sie sich an vergessenen Randzonen entwickeln.
Wir danken der Niedersächsischen Sparkassenstiftung Hannover sowie der Galerie Michael Wiesehöfer in Köln und Joachim Brohm für die Leihgaben.
Die Ausstellung wird großzügig unterstützt von Škoda.
Courtesy Galerie Michael Wiesehöfer, Köln
© Joachim Brohm / VG Bild-Kunst, Bonn 2009
fail better 2
27.11.09 – 21.2.10
In der Reihe fail better präsentieren sich zum zweiten Mal Studierende der Akademie für Bildende Künste Mainz in der Kunsthalle Mainz. Damit findet die institutionelle Partnerschaft von Kunsthochschule und Kunsthalle ihre Fortsetzung. Für die Studierenden bietet das Forum Kunsthalle die Gelegenheit, die Ergebnisse ihrer Arbeit integriert im professionellen Ausstellungsrahmen zeigen und sich darüber hinaus mit anderen künstlerischen Positionen messen zu können. Da die Ausstellungskooperation mit der Kunsthalle der Entwicklung eines eigenständigen Werkansatzes der Studierenden dienen soll, bedarf es besonderer Teilnahmevoraussetzungen. In einem zweistufigen Auswahlverfahren nominiert eine mehrköpfige Jury der Akademie die Künstler aus den Kandidatenvorschlägen ihrer jeweiligen Klassen. Dieses im Vergleich zu Rundgangs- und Klassenausstellungen striktere Teilnahmeprozedere orientiert sich an qualitativen Kriterien und führt die Studierenden an die obligatorischen Wettbewerbsbedingungen des gegenwärtigen Kunstbetriebs heran.
Anders als im Vorjahr findet fail better im Turm der Kunsthalle diesmal in zwei aufeinander folgenden Ausstellungen statt. Wie für junge experimentelle Kunst zu erwarten, ist das Spektrum der künstlerischen Denkansätze, Einsatzmittel und Verfahrensweisen breit gefächert sein. Zur Hälfte der dreimonatigen Gesamtlaufzeit findet nach kurzer Umbauphase ein „fliegender Wechsel“ mit einer zweiten Ausstellungseröffnung statt. Ein anschließend erscheinender Katalog führt die Ausstellungen fail better 2.1 und 2.2 zusammen.
fail better 2.1
27.11.2009 – 10.1.2010 –
Lena Grüter, Marie Hamm, Franziska Kissel, Katharina Neuses,
Anderson Schröder, Paula Sippel, Judith Walz/Sabrina Geckeis
fail better 2.2
15.1 – 21.2.2010 –
Julia Hartmann, Sarah Mock, Markus Georg Reintgen, Philipp Schneider,
Upper Bleistein, Julia Walter, Jonas Weichsel
VideoZone
Anna-Lena Gremme
27.11.09 – 21.2.10
Mit der VideoZone startet die Kunsthalle Mainz eine neue Reihe, die von Georg Elben, Leiter der Videonale Bonn, kuratiert wird und für die er Künstlerinnen und Künstler aus dem immer weiter zu fassenden Bereich Video einlädt. Als fester Ort für die Präsentation ist der Alte Turm vorgesehen, ein Raum, den die Besucher über einen Balkon einsehen können. Im Rahmen der VideoZone wird es darüber hinaus Veranstaltungen in Form von Vorträgen oder Künstlergesprächen gebesn, die sich ausgehend von der jeweiligen Präsentation explizit mit den Themen Neue Medien, Video, Videoperformance und -installation befassen.
Den Auftakt bildet eine Videoarbeit von Anna-Lena Gremme (*1985 in Mainz). Sie studiert seit 2006 an der Akademie für Bildende Künste Mainz in der Klasse für Neue Medien bei Professor Dieter Kiessling. Im vergangenen Jahr erhielt sie eine Einladung zur Teilnahme an den „Interventionen“, einem Rahmenprogramm innerhalb des Festivals zur Videonale 12, das sich an Studierende wendet. Das Video „Baby Dolls“ entstand während einer Reise nach Japan.
Sind die nicht süß?! – Der erste Gedanke wird sofort überlagert von der Frage, ob es den kleinen Hundebabys in ihren Kästen überhaupt gut geht. In 20 Boxen mit quietschbunten Rahmen ist je ein Welpe zu sehen, wie er gegen Decke und Wände springt, jault, mit dem Schwanz wedelt oder auch ruht. Die Kisten sind übereinander gestapelt und nehmen so die ganze Wand ein. Über der ganzen Szene liegt ein poppiger Klangteppich. Kindlich-verspielte Reize prallen hier auf starren Ordnungswillen und eine gewisse Grausamkeit. Ist das nun „typisch Japan“, oder gibt es auch bei uns Tiere, die ähnlich gehalten werden, und wie vermischen sich hier unsere Vorstellungen von einer uns fremden Kultur mit der leicht modifizierten Realität?