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FADE INTO YOU LI - Play it again Sabine. Ein Weihnachtsmärchen

Ulrike Melsbach, Januar 2016

Es war einmal vor gar nicht all zu langer Zeit, da wagte sich ein Fräulein am Hofe Zollhafen im Bistum Mainz Neuland zu erkunden. Der Germanistik und Kunsthistorie, sowie deren Lehre kundig, fand sie sich in der Welt der schönen Künste gut zurecht, doch eines war ihr bisher weniger gelegen: Kunstwerke, die mit bewegten, tönenenden Bildern arbeiteten.

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Die Eisbrecher

Von Matthias Wilm, Mainz im November 2015

Bei ihrer Videoauswahl für „Fade into You“ orientiert sich Sabine Idstein gern an Jahres- und Gedenktagen. Für den Abend des 21.10. 2015 war es der "Trafalgarday". Es ist der Gedenktag für den Sieg der britischen Flotte unter Admiral Horatio Nelson über die vereinigte französische und spanische Flotte unter Pierre Charles de Villeneuve in der Schlacht von Trafalgar am 21. Oktober 1805. Der Gedenktag wurde im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts mit Paraden, Feiern und Galaessen im gesamten Britischen Empire begangen. Danach verlor der Tag ab dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 an Bedeutung, wie beispielsweise auch der Sedantag in Deutschland. Der Hauptgrund hierfür war, dass das Gedenken an die beiden Weltkriege zunehmend in den Vordergrund rückte.

Dem Idstein'schen Assoziationsweg folgend, kam demnach ein Video in Betracht, welches zum Trafalgarday passte und folgende Elemente enthielt:

ein maritimes Ereignis,

einen Konflikt zwischen verfeindeten Staaten,

die Wiederbelebung eines verblassenden kollektiven Ge­denkens

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FADE INTO YOU XLVI – Heimspiel zum Tag des alkoholgeschädigten Teddybären


Ulrike Melsbach, September 2015

Mittags wurde ich bereits angerufen: Das “Amerikanische Genuschel” des zu zeigenden Videos sei sehr schwer zu verstehen, meinte Sabine Idstein, aber ich solle entspannt an die Sache rangehen. Tue ich ja auch meistens.

Abends dann, kurz bevor es los ging, meinte unsere Gastgeberin: “Na ich bin mal gespannt. Wie jedes Fade Into You. Nur immer aus einem anderen Grund...”. Mit jedem weiteren Gast, der herein tröpfelte, verringerte sich die Spannung allerdings sichtlich, denn es wurde immer familiärer!
“Da muss ich ja gar nicht siezen.”, meinte Sabine, “Das ist ja ein Heimspiel, das is' ja Peng. Des is ja total goldisch.”, stellte unsere liebe Gastgeberin weiter fest, während sich die hochdeutsche Akzentuierung vor lauter Freude kurz verflüchtigte…
Da saßen wir also: S., N., M., H., U., J., O., A., und kurz vor Schluss kam noch C. dazu. Vielleicht kann man aus unseren Initialen ein schönes Akronym bilden… MAUSCHOJN?, SCHONMAJU? Oder NUSMOJAHN? Schöne Buchstabenauswahl, wirklich.

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FADE INTO YOU XLIV – Von Würmern und Nudisten

Ulrike Melsbach, Juli 2015

Das letzte Mal, als ich einen solchen Kunsthallen-Blog schrieb, hackte ich noch auf die harmlosen Tasten XXI. Zehn, Zehn, Eins. Und jetzt also: Zehn, Fünfzig, Eins, Fünf.

Die Zeit rennt, wenn man ein kleines Menschlein ausbrütet. Schon hat man mehr Episoden verpasst als gesehen.

Nun, hier bin ich also: zurück aus der Baby-Pause, spontan eingesprungen, für Isabell Hammer, die sich aus unserem nun dreiköpfigen Blogger-Kreis verabschiedet.

You say Good Bye and I say Hello.

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Episode 43

von Nicola Goedecker

Der heutige Tag steht im Zeichen von Johannes dem Täufer und seinem Namensvetter Johannes Gutenberg. In Mainz werden am „Johannisfest“ traditionell die Buchdruckergesellen gegautscht, eine Form der Taufe die ihnen das Recht gibt, Schrift zu drucken und für Sabine Idstein die Einleitung zum heutigen Film bildet.

Jordan Wolfson: Infinite Melancholy, 2003.

Der 1980 in New York geborene Künstler wird uns als Erforscher des gesellschaftlichen Unterbewusstseins und seiner Analogien vorgestellt. Roboter-Barbies, Colaflaschen und Michael Jacksons Augen treten in einer Formsprache auf, die ironisch, ernst und gleichzeitig von Leichtigkeit geprägt ist.Der Protagonist der heutigen Reise im Universum des kollektiven Gedächtnisses ist Christopher Reeve.

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FADE INTO YOU XXXXII

Jeder hat die Wahl! (Staubsauger oder Maschinengewehr?)

Isabelle Hammer im Mai 2015

In der 42. Folge von Fade Into You wurde an diesem Mittwochabend der bisher älteste Film der Reihe gezeigt. Der Schwarzweißfilm „Nicht löschbares Feuer“ von Harun Farocki wurde 1969 veröffentlicht und war das zweite Projekt des Künstlers, der zum ersten Jahrgang der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin gehörte und wegen seiner deutlichen politischen Statements 1968 verwiesen wurde. 

Sabine Idstein hat diesen Film passend zum Jahrestag der Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede von Winston Churchill am 13. Mai 1940 ausgewählt, in welcher dieser das britische Unterhaus schonungslos mit der Brutalität und Härte des Krieges konfrontierte und die Notwendigkeit eines Sieges betonte.

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Schuhbidu und die Jagd nach Leben

von Nicola Goedecker im Mai 2015

Die Fastenzeit dauert von Aschermittwoch an 40 Tage und endet am Ostersonntag mit dem Fastenbrechen. Einem Kalender hatte Sabine Idstein entnommen, dass in diesem Jahr die Fastenzeit am 1. April endet, dem Veranstaltungstag für ihr 40. Fade into You in der Kunsthalle Mainz.

Bewaffnet mit Freude am Film und Lust auf das Thema, ist sie für uns auf Beutezug nach passenden Filmen gegangen und hier das Menü für diesen Abend: „Die Jagd" von Christian Jankowski, entstanden 1992 und „High Heel Obsession" vom Duo Stoll und Wachall aus dem Jahr 2012.

Der Saal ist voll und wir sind hungrig. Zur Vorspeise wird unsere Aufmerksamkeit auf die Künstler und die Gemeinsamkeiten der beiden Werke gelenkt. In beiden Filmen spielen Lebensmittel eine Rolle, sie sind ohne Text und die Künstler deutsch.

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Fade Into You XXXIX
Über Ferne und Heimat, das Meer und den Louvre

von Isabelle Hammer im März 2015

Die 39. Folge von Fade Into You begann pünktlich und mit großer Vorfreude, denn an diesem Mittwochabend präsentierte Sabine Idstein uns „Im Schiffbruch nicht schwimmen können" von Marcel Odenbach, der seit 1976 hauptsächlich mit dem Medium des Videos arbeitet und zu den international bekanntesten deutschen Videokünstlern zählt.
Das Motto dieser Folge am 11. März wurde aus Anlass des Gedenkens der Katastrophe von Fukushima, der Attentate in Madrid und des Amoklaufes von Winenden den Katastrophen gewidmet und begann mit Sabine Idsteins Einführung in das Unglück der Fregatte Medusa, das sich 1816 ereignete und drei Jahre später von dem französischen Maler Théodore Géricault in Form eines 35 Quadratmeter großen Gemäldes festgehalten wurde. Die Fregatte Medusa, die mit insgesamt 400 Passagieren auf dem Weg zur westafrikanische Kolonie Senegal war, erlitt Schiffbruch. Das Gemälde Géricaults zeigt 15 Schiffbrüchige, für die auf den Rettungsbooten kein Platz mehr war und die deshalb 13 Tage auf hoher See umhertrieben. Hunger und Verzweiflung, sowie Hoffnungslosigkeit führten letztendlich dazu, dass die Schiffbrüchigen begannen, die Leichen ihrer Leidensgenossen zu essen.

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Fade Into You XXXVIII
Fastnacht - Fasnet - Carnaval

von Isabelle Hammer im März 2015

Passend zum Ausklang der Mainzer Fastnacht am Aschermittwoch war das Thema der 38. Folge von Fade Into You an diesem Abend „il Carnaval“ oder auch „fasnet“, denn Sabine Idstein zeigte dem Mainzer Publikum zwei grundlegend verschiedene Videos, die doch beide die Fastnacht und ihr Treiben zum Thema hatten.

In „Federsee“ von 2013 zeigt der schwedische Künstler John Skoog die traditionellen Bräuche der alemannischen Fasnet, wie sie in dem schwäbischen Dorf Bad Buchau gefeiert werden. Jedoch gestaltet sich das Treiben ganz anders, als wir es die letzten Tage überall in Mainz beobachten durften: Statt lauter Musik und bunten, wilden Körpern beginnt das Video beinahe tonlos. In Bad Buchau finden sich mehrere Gestalten zusammen, ihre Kostüme sind mit zahlreichen Glocken ausgestattet und im Tageslicht erkennt man ihre maskierten Gesichter, die an Tiere, wie zum Beispiel einen Esel oder Frosch erinnern. Skoog zeigt, wie diese Maskierten durch Bad Buchau ziehen, sehr selten nur sieht man Beobachter oder feiernde Menschen, stattdessen wird das Geschehen durch lange Landschaftsausblicke unterbrochen, die das Mainzer Publikum an die Heimat des Künstlers erinnern.

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FADE INTO YOU XXXVII
Da-Da-Daten

von Nicola Goedecker im Februar 2015

Peter Weibel „Wir sind Daten" und Cory Arcangel „Drei Klavierstücken" kombiniert zum Europäischen Datenschutztag haben uns an diesem Mittwoch in die Kunsthalle gelockt.
Beide Werke arbeiten mit Musik und das scheint auf den ersten Blick auch alles an Gemeinsamkeit zu sein.
Aber bleiben wir erst einmal sachlich.
Auf Initiative des Europäischen Datenschutzrats haben wir seit 2007 einen „Tag des Datenschutzes" der daran erinnern soll, das jeder Mensch grundsätzlich entscheiden kann wem, wann, welche Daten zur Verfügung gestellt werden.
Spätestens seit Edward Snowden und facebook wissen wir, dass uns die Entscheidung an dieser Stelle auch gerne abgenommen wird.

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Fade into You XXXVI
Stimmen aus dem Off?

Von Nicola Goedecker im Januar 2015

Spannend war’s beim ersten Fade into You 2015 in der Kunsthalle Mainz.

Sabine Idstein hatte zum Partizipieren und Diskutieren geladen und 11 Gäste waren ihrer Einladung gefolgt. Kein voller Saal aber eine ganze Reihe neuer Gesichter in dieser Runde.

Die UNESCO hat dieses Jahr zum „Internationalen Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien“ ausgerufen und Frau Idstein hat alle Veranstaltungstage speziell dem jeweiligen Jahrestag gewidmet. Damit stellt sie der Auswahl der Filme eine Idee und die Möglichkeit eines Zusammenhangs voraus. Ob’s funktioniert?

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Fade Into You XXXV
Ein lautstarker Abschluss des Jahres 2014

Von Isabelle Hammer im Dezember 2014

Die 35. Folge von Fade-Into-You war die letzte für das Jahr 2014 und gleichzeitig ein gelungener Abschluss. Das Mainzer Publikum bekam „Nice coloured girls“ von Tracey Moffatt zu sehen. Sie zählt seit den 80er Jahren zu den erfolgreichsten australischen Videokünstlerinnen. Das Video von 1987 war die erste Videoarbeit Tracey Moffatts, die sich vorher mit der Fotografie beschäftigt hatte. Viele ihrer Arbeiten haben autobiographische Züge, in denen sie Themen wie Rassenkonflikte, Gender oder auch Kolonialismus anspricht, deren Auswirkungen sie selbst kennenlernen musste. Ihre Mutter gehörte zu den eingeborenen Australiern, auch Aborigines genannt, und viele der Arbeiten Moffatts thematisieren die Kolonisation Australiens sowie die Verdrängung und Ausrottung der Eingeborenen.

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Fade Into You XXXIV

Vorurteile und die Frage nach der nationalen Identität / Vom Froschrennen bis nach New York City / Identität, Immigration und Integration

von Isabelle Hammer im November 2014

In der 34. Episode von Fade Into You fanden so viele Zuschauer den Weg in den schiefen Turm der Mainzer Kunsthalle, dass selbst weitere Stühle nicht ausgereicht hätten, um allen einen Sitzplatz zu bieten. Stattdessen machte man es sich auf dem Boden bequem und nahm von dort aus an der Diskussionsrunde teil, die sich an diesem Abend mit Vorurteilen beschäftigen sollte.  

Nach einer kurzen Einführung von Sabine Idstein wurde das Video „Urban Chronicles“ von Bertille Bak gezeigt. Es erzählt die Geschichte eines polnischen Mannes, der nach Amerika auswandert, so einigt sich das Mainzer Publikum nach dem ersten Screening.

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Fade Into You XXXII
Die Bedeutung von Chili im Dialog der Kulturen oder  „die Selfie-Session“

Von Isabelle Hammer im November 2014

Wer an diesem Abend den Videoraum der Mainzer Kunsthalle betrat, um an dem Screening zweier Filme des pakistanischen Künstlers R. M. Naeem teilzunehmen, wurde von einer sich bereits austauschenden munteren Truppe begrüßt. Die 32. Folge von Fade Into You war besonders gut besucht - sämtliche Bankreihen der Black Box waren besetzt und weitere Gäste nahmen an die Wände gelehnt oder auf zusätzlichen Stühlen sitzend an der Diskussionsrunde  teil.

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Fade into You XXXI Über das Zusammenspiel von Mensch und Natur

Von Isabelle Hammer

In der 31. Folge von Fade Into You am 17. September stellte Sabine Idstein den Gästen zwei Videos des Berliner Film- und Videokünstlers Ulu Braun vor. Das erste Video, welches an diesem Mittwochabend in der Kunsthalle vorgeführt wird, trägt den Titel „Forst“ und wurde mit dem Art Prize Berlin ausgezeichnet. Das zweite Video, „Birds“, gehört zu Ulu Brauns aktuellsten Arbeiten und wurde dieses Jahr auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin gezeigt. Im Publikum befanden sich an diesem Abend ein paar bekannte FadeIntoYou-Gänger und einige Neuzugänge, wodurch am Ende fast 20 Gäste an dem Screening der Videos teilnahmen.

Viele der früheren Arbeiten Ulu Brauns sind bewegte Panoramabilder, in denen die Kamera langsam über eine Landschaft fährt, die Ulu Braun bis ins letzte Detail selbst komponiert hat. Er verwendet dafür selbstgedrehtes Material, greift aber auch auf Filmschnipsel aus dem Fernsehen und Internet zurück, welche er bruchstückartig in die Landschaften einsetzt.

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Fade into you Episode XXX
Slapstickhaftes Versteckspiel im Office.

von Sina Nadine Kraushaar

September 2014

Ganz im Sinne des geforderten View, Drink and Discuss gestaltete sich der Mittwochabend der 30. Episode von „Fade into you“ ausgesprochen diskussionsfreudig und ausgelassen. Das Video des Abends, ausgewählt von Thomas D. Trummer, wurde von Sabine Idstein moderiert. Schon nach erstmaligem Betrachten der Videoarbeit von Sofia Hultén wurden im Flüsterton kritische Kommentare im halbdunklen Turmzimmer-Kino der Kunsthalle preisgegeben. „Typisch öffentlicher Dienst!“.

Grey Area. 12 Attempts to Hide in an Office Environment heißt das Video der in Stockholm geborenen Künstlerin. „Ein gutes Video. Denn es thematisiert eine Selbstaufgabe, die in einer Selbstauflösung besteht. Eine Verschmelzung von sinnlosen Handlungen.“ Die Aussage aus dem Publikum hört sich vielleicht beim ersten Lesen kompliziert an, aber spielt eben auf die Zeitlichkeit und das Ephemere der performativen Handlung an, die Sofia Hultén in ihren Videoarbeiten immer wieder herausstellt. Die Künstlerin studierte unter anderem bei Rebecca Horn, nachdem sie 1998 durch das DAAD Stipendium nach Berlin kam, wo sie heute immer noch lebt und arbeitet.

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Eröffnung von „Les Gueules Cassées"

von Clara Wörsdorfer

Die Ausstellung, die an diesem Abend im Februar 2014 mit vielen Gästen eröffnet wird, trägt den Untertitel „Narben des Ersten Weltkriegs in der zeitgenössischen Kunst". In gewisser Weise wird mit ihr eine kuratorische Strategie weiterentwickelt, die bereits die Ausstellung „Das Reich ohne Mitte" prägte. Thomas D. Trummer nimmt ein historisches Moment, in diesem Fall die Versehrungen des Ersten Weltkrieges, zum Ausgangspunkt und entwickelt von der Vergangenheit aus einen Zugriff auf zeitgenössische Kunst. In strengem Sinne historische oder kulturwissenschaftliche Exponate gibt es in dieser Ausstellung nur wenige und bei weitem nicht jede der gezeigten künstlerischen Arbeiten thematisiert das historische Ereignis oder bezieht sich ganz konkret auf ‚les gueules cassées', auf die ‚zerschlagenen Fressen'. Stattdessen geht es im weiteren Sinne um Narben und damit um Verwundungen, Verlust und Schmerz, aber eben auch um die Frage nach der Sichtbarkeit jener Verletzungen, die Menschen im Krieg zugefügt werden. Narben sind Spuren, die auf schmerzhaftes Geschehenes verweisen. Sie sind paradoxerweise Zeichen von Heilung und verweisen zugleich auf schlimmere Zurichtungen und psychische Zerstörungen, die nicht (mehr) sichtbar sind.

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Künstlergespräch mit Monica Bonvicini anlässlich der Ausstellung „Monica Bonvicini/ Sterling Ruby"

von Clara Wörsdörfer

Zu Beginn dieses Künstlergesprächs am 15. Januar 2014 erzählt Monica Bonvicini davon, dass sie als Kind Lust darauf hatte, Glasvitrinen in der Stadt zu zerstören und aus diesem Grund ständig Angst davor, ins Gefängnis zu kommen. Ob Zerstörung als Hauptthema ihrer künstlerischen Arbeiten benannt werden kann, ist daraufhin die Frage, mit deren Beantwortung Bonvicini sich schwer tut. Geht es nicht oft um Schmerz, um Zurichtungen und Ungerechtigkeiten in ihrem Werk?

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FADE INTO YOU XVIII – 2 Hrs of Foursome Activity

Es war die bisher kleinste Runde im Kunsthallen-Kino – neben Frau Idstein und Frau Melsbach waren nur zwei Stammgäste anwesend. Es sei der Vorweihnachtszeit geschuldet. Die Gastgeberin machte der vertrauten Runde gleich klar, dass sie keine Interview-Situation wolle, wie das letzte Mal. Alles klar.

Die gewohnte Einführung in das Video, das eigentlich Herr Trummer ausgesucht hatte, gab es aber trotzdem.

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FADE INTO YOU XVII – (Young) British Artists, die Zweite!

Schon wieder Gillian Wearing?

Das musste sich kaum einer der Anwesenden fragen, da die Gruppe anders zusammengesetzt war als bei der letzten Episode; entsprechend unverbraucht und unvoreingenommen konnte sie „10-16" begegnen.

Das Video von 1997 zeigt 7 Sequenzen, in denen Zehn- bis Sechszehnjährige berichten, welche Ängste und Wünsche sie beschäftigen; auf der Tonebene. Zu sehen sind erwachsene Schauspieler, die die Aufnahmen lippensychron darstellen.

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FADE INTO YOU XVI – Hoch, die Gläser

„Alle Gläser hoch!", hatte Sabine Idstein vorab beordert. Warum? Weil auf einer gewissen Sozialen Plattform 20 Menschen auf „teilnehmen" geklickt hatten, als sie die Ankündigung zum Abend über Gillian Wearing gelesen haben. Noch nie gab es so viele Facebook-Anmeldungen, also musste doch irgendetwas passieren!

Doch um 19 Uhr waren gerade einmal Gastgeberin, Bloggerin, Direktor und ein Gast angekommen. Man wartete noch ein Weile und die Gruppe wuchs auf ein Dutzend Leute an. Nicht übermäßig viel, aber es gab auch schon weniger. So viel zu „Ich nehme teil.".

An diesem Abend war es allerdings ganz fein, in einer kleineren Gruppe zu sein, da sich Wearings Arbeiten mit sehr intimen Themen beschäftigen. Die Künstlerin ist momentan sehr gefragt, es gab zwei große Retrospektiven in den letzten zwei Jahren und entsprechend schwierig gestaltete sich wohl die Beschaffung der Videos. Umso schöner, dass man an diesem Abend gleich zwei ihrer Arbeiten sehen konnte und den Ausblick auf die nächste Episode mit einer dritten Arbeit bekam.

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FADE INTO YOU XIX – Eine eisige Panoramatapete

von Ulrike Melsbach im Februar 2014

 

Es war mal wieder voll am Mittwochabend: 28 Leute konnte man auf den Bänken zählen.

Die Arbeit, die Frau Idstein präsentierte, ist Ergebnis der Kollaboration von Nicole Six und Paul Petritsch: Eine Bildhauerin und ein Architekt, die seit einiger Zeit in Österreich ihr Kunstwesen treiben, analytisch, installativ, filmisch.

„Räumliche Maßnahme I" ist Teil einer Reihe aus „Versuchen den Raum zu öffnen". In diesem Fall: Nach unten.

Das in etwa 10 Jahre alte Video dauert 30 Minuten.

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FADE INTO YOU XXI – In Vertretung

Ulrike Melsbach, Februar 2014

Als ich diesen Mittwoch durch die Glastüren der Kunsthalle spazierte, vorbei an der Ausstellungshalle ohne begehbare Ausstellung und den Turm pünktlich um 19 Uhr erreichte, fand ich nicht die erwartete Gastgeberin Frau Idstein vor – und auch nicht den Herrn Trummer. Samuel Fath, der für die Kunsthalle normalerweise Führungen, beziehungsweise Rundgänge durch die Ausstellungen macht, war kurzfristig als Krankheitsvertretung eingesprungen und nachdem es anfangs besucherlos aussah, waren nach 15 Minuten doch ebenso viele Gäste eingetrudelt.

Es verlief an diesem Abend alles ein bisschen anders als sonst.

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FADE INTO YOU XV
Flaggen-Disko

 

Ulrike Melsbach, 2013

Ein Filmemacher sei der heute vorgestellte John Smith vornehmlich. Nicht unbedingt Künstler. Wobei er in den letzten Jahren zunehmend in die „Kunstwelt" eingetreten sei.

Thomas D. Trummer hat ihn auf der vorletzten Berlin Biennale das erste Mal gesehen. „The Girl Chewing Gum" von 1976 ist die Arbeit für die man Smith am ehesten kennt und die auf unterhaltsame Weise mit dem Spannungsfeld zwischen Fiktion und Dokumentation spielt: John Smith hat Aufnahmen, die er auf einer belebten Straße gemacht hat mit seiner Stimme unterlegt; diese gibt sich als Regisseur aus und fordert immer die Dinge, die sich im „echten Leben" selbstständig ereignet haben.

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Vitus Weh: Leviathan und Doppeladler - Monsterbilder der Macht

November 2013

Ich betrachte die vergrößerte Version des von Abraham Bosse geschaffenen Frontispitz zu Thomas Hobbes' politisch-philosophischen Werk "Leviathan" von 1651. Die über allem thronende Figur des Herrschers ist bewaffnet mit Schwert und Bischofsstab, den Symbolen weltlicher und kirchlicher Macht, und trägt einen seltsam schuppenartig anmutenden Panzer. Sie gilt als Ikone des modernen Staates, präsentiert den Homo Magnus, einen Herrscher, dessen Macht aus dem Zusammenschluss der Menschen entsteht. Während des Vortrags von Vitus Weh wird mir bewusst, dass es sich bei der Oberfläche seiner Rüstung nicht um Fischschuppen handelt sondern um eine Menschenmenge, die den Torso des Leviathan formiert. Das Wimmeln der angedeuteten Kopfformen erzeugt eine unheimliche Spannung zwischen Masse und vereinigendem Großkörper. Im Kontext des dreißigjährigen Krieges, der Begriffe wie den des Homini Lupus hervorgebracht hat, erscheint ein die weltliche und geistige Dimension umfassender Herrscher notwendig, einer, der das Wölfische im Menschen nicht nur mit Vernunft und Staatsraison bezwingt, sondern anarchistischen Schrecken mit gebietendem Schrecken zu bekämpfen sucht.

Text: Anne-Louise Hoffmann

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FADE INTO YOU XIII –   Kontemplation in der Kunsthalle

23 Menschen alleine auf einer Insel.

Dies war der letzte FADE INTO YOU-Abend, den Sabine Idstein Fiona Tan und ihrem Video „Island" widmete. Die Künstlerin stammt aus Indonesien und Australien; mittlerweile hat sie sich in Amsterdam niedergelassen.

„Island" weckt im deutschen Leser zwei Assoziationen: das englische Wort für Insel und der deutsche Name des Staates Ísland. Letztere ist nur bedingt eine falsche Fährte. Es geht weder um Island, noch sieht man Aufnahmen, die dort gedreht wurden. Die Assoziationen, die dieses Land in Vielen hervorruft, kommen dem Tenor des Videos allerdings nahe: Ruhe, Natur karger Schönheit, Kälte, Menschenverlassenheit.

Frau Idstein meint, die Künstlerin lasse sich Zeit; in ihren Arbeiten gehe es um das Individuum und seine Innenwelt – in dem hier gezeigten Werk sehe man nur Landschaft. Es handele sich um ein Video und ein Hörstück – dazu später mehr.

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FADE INTO YOU XII – Der Mainzer Macintosh

„Das Video dauert 13 Minuten und 46 Sekunden. Das ist ungefähr so lange wie Sie bis jetzt gewartet haben." – die erste Bemerkung Thomas D. Trummers. Warten musste man wegen technischen Problemen, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht haben die Kunsthalle Mainz in manigfaltigen Erscheinungen heimzusuchen. Diesmal mit einem besonders spannenden Effekt, doch dazu später mehr. Die 20 Gäste nahmen das gelassen; man kennt sich mittlerweile und kann sich unterhalten.

Die französische Künstlerin Camille Henrot ist „wie eine Rakete" bei der Biennale aufgestiegen, und wurde bisher nur in Venedig gezeigt. Herr Trummer scheint ein Talent dafür zu haben, junge Damen dafür zu begeistern, ihre Kunst von Venedig nach Mainz reisen zu lassen.

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FADE INTO YOU XI – Ein bisschen Feminismus

Dieser heiße Sommertag hielt doch Einige davon ab, der Turmebene einen Besuch abzustatten, doch nicht einmal die 8 BesucherInnen, die dies vorhatten, begaben sich in den Turm, da aus technischen Gründen der Abend in den Ausstellungsbereich verlegt wurde; projiziert wurde in dem kleinen Akkumulatorenturm in dem zur Zeit Casablanca Teil der Ausstellung ist. Tatsächlich ein schöner Ort um sich Filme anzusehen und auch angenehm kühl, da waren sich Alle einig. Das Problem lag eher beim Hören: Hatte man den/die BeamerIn in Gang gebracht und die DVD gestartet, musste man feststellen, dass außer der ersten Reihe in der zwei BesucherInnen Platz fanden niemand auch nur den geringsten Laut vernehmen konnte und so begann etwas, das man schon als feministisch parodierende Performance hätte sehen können: Ein wildes Ausprobieren aller Fernbedienungen durch mehrere AnwesendeInnen begann, wobei man sich häufig rückwärts gefährlich weit über den Abgrund des Akkumulatorenturms lehnte. Schließlich tauchte zur Rettung der heute in adrettem Kleid präsenten Moderatorin der Aufseher, H. Bayer,  auf, der patent eine Leiter im Schlepptau hatte um den/die DVD-SpielerIn fernbedienunglos zu beeinflussen.

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FADE INTO YOU X – „a great bloody museum of information"

Manche warfen einen verbotenen Blick durch die abgetönte Scheibe, die jedes Detail, das man vor dem Eröffnungstag der nächsten Ausstellung (ganz zufällig der „Fourth of July") erhaschen wollte, verbarg. Lenkte man seine Neugier nun in Richtung Treppenhaus, so fand man sich im ersten Turmgeschoss mal wieder zu einer etwas kleineren Runde zusammen. Thomas D. Trummer widmete diesen Mittwoch einer englischen Videokünstlerin, die jung – seit noch nicht mal 30 Jahren lebt die Dame – doch schon sehr erfolgreich ist: Helen Marten.

Präsentiert wurde ein Leckerbissen, nämlich das Video von Martens großem Biennaleauftritt. „Orchids, or a Hemispherical Bottom" wurde im Arsenal in Venedig gezeigt und wird nun in der Kunsthalle in Mainz gezeigt. Solcherlei Dinge darf man sich als FADE INTO YOU-Stammgast gefallen lassen – manche lassen es sich auch nicht gefallen; kommt vor.

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„Die Politik muss immer zur Kunst kommen, niemals umgekehrt." (Jonathan Meese)

Zum Vortrag von Wolfgang Ullrich

September 2013

Am herbstlichen Abend des 11.9.2013 begrüßt Thomas Trummer im Rahmen der Ausstellung „Das Reich ohne Mitte" einige mehr oder weniger durchnässte Zuhörer sowie mit dem 1967 in München geborenen Wolfgang Ullrich, seines Zeichens Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, einen durchaus prominenten Gast. Ullrich ist ein gewiefter und eleganter Bildererklärer, der uns mit den Bildern immer auch ein Stück weit uns selbst, nämlich unseren gesellschaftlichen Umgang mit Kunst erklärt. Mehr Kulturwissenschaftler als klassischer Kunsthistoriker hat er bereits zahlreiche Bücher verfasst, von denen eines den schönen Titel „Tiefer hängen. Über den Umgang mit der Kunst" trägt. Ein anderes heißt „Mit dem Rücken zur Kunst. Die neuen Statussymbole der Macht", womit wir auch schon beim Thema dieses Abends wären. Mit seinem lockeren und anschaulichen Vortrag „Macht zeigen – Kunst als Herrschaftssymbol" fungiert Ullrich für uns als sympathischer Cicerone im Reich der modernen Bildnisse westlicher Herrscher und ihrer Verbandelung mit der Kunst.

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FADE INTO YOU IX
Steckt da jetzt Found Footage drin?
Eine Detektivgeschichte

Juni 2013

Trotz des nach draußen lockenden Wetters, fand sich am Mittwoch ein Dutzend Videointeressierter zusammen, die an diesem Abend eine tatsächlich einmalige Vorführung erlebte. „The Lost" von Reynold Reynolds ist ein Projekt, das seit 2011 läuft und noch nicht fertig gestellt ist. Die 41 Minuten, die präsentiert wurden, funktionieren  trotz ihrer Unvollständigkeit als vollständiges Werk. Eine Vorgeschichte, die auf der Homepage des Künstlers und der der Galerie zu finden ist, berichtet von einer Filmwissenschaftlerin aus der DDR, die Material eines nie fertig gestellten Films eines Berliner Filmemachers der 1930er Jahre in einer Kiste in Sibirien fand. Dieses Material habe Reynolds nun aufgegriffen und als Ausgangspunkt für sein in „Filmperformances" entstandenes Werk verwendet.

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Künstlergespräch mit David Claerbout 

7. Juni 2013

Als Thomas D. Trummer einen Tag nach dem Künstlergespräch mit David Claerbout fragt, ob ich nicht noch einen kurzen Text über die Veranstaltung schreiben wolle, fühle ich mich ein wenig ertappt. Still, kühl und konzentriert ist der Abend gewesen – aber Notizen habe ich mir keine gemacht. Meine selektive Erinnerung lässt möglicherweise all jene Aussagen, die der Künstler selbst für besonders gelungen hielt, unter den Tisch fallen.   

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FADE INTO YOU VIII
Made in Mainz

Zur Sichtung von John Bocks „Im Schatten der Made" fand sich eine illustre Runde aus üblichen FADEdächtigen und Neuzugängen zusammen, die von Sabine Idstein begrüßt und in das Werk eingeführt wurden. Positiv von letzterer hervorgehoben wurde vor allem die unkomplizierte Kommunikation mit dem Künstler der schon in Kindertagen mit seinem Vater „Das Cabinet des Dr. Caligari" schaute. Seinen ganz persönlichen expressionistischen (Alb-)Traum setzte er nun mit dem grotesken Werk des Abends um, das in vier Tagen nicht nur gedreht sondern auch größtenteils ausgestattet wurde – schon ein deutlicher Hinweis auf die vornehmlichen Schaffensfelder Bocks: Plastik und Performance.

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FADE INTO YOU VII
Und was hat das jetzt mit Western zu tun?

„In der Hoffnung dass wir anschließend ganz WILD diskutieren", verlor Sabine Idstein aus Zeitgründen wenige Worte über den zweiten Teil des CREMASTER CYCLE, den sie insbesondere wegen den Motiven aus dem Wilden Westen – der sich ja neuerlicher Beliebtheit erfreue – auswählte.

CREMASTER 2 liegt mit 79 Minuten Spielzeit zwar noch knapp unter der durchschnittlichen Spielfilmlänge, doch fällt für ein lineares Kunstvideo – Ja: Es wurde tatsächlich auf Video aufgenommen, wenn auch hochauflösend – schon überdurchschnittlich lang aus.

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FADE INTO YOU VI
Fragen über Fragen

April 2013

Voll war es diesen Mittwoch im Kino der Kunsthalle!

Bei gut 30 Gästen mussten nicht nur zusätzliche Sitzgelegenheiten in Form von klappbaren Stühlen geschaffen, sondern auch – für den späteren Verlauf des Abends essentiell wichtig – weitere Weingläser geholt werden.

Locker leitete Thomas D. Trummer in die nun folgende Arbeit ein, über die er vorneweg nicht allzu viele Worte verlieren wollte. Die etwaige Doppelbedeutung des Titels der Arbeit Clemens von Wedemeyers – FOUND FOOTAGE – wurde als einleitender Denkanstoß gegeben.

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FADE INTO YOU V
Ein (un)lichter Abend

Durch die schwere Tür hinter dem schwarzen Vorhang betritt man das Kino der Kunsthalle, welches als „Blackbox“ natürlicherweise recht dunkel ist; doch so abwesend wie an diesem Abend war das Licht bei FADE INTO YOU noch nie.

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Vier Tropfen für ein Halleluja

Roman Signer und Hartmut Kaminski treffen sich in der Mainzer Kunsthalle
Gespräch und Präsentation von gemeinsamen Projekten der 70er Jahre

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